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Plädoyer für die Wissensgesellschaft

Zukunft Wissensgesellschaft

Ich will mich dafür einsetzen, dass unser Land auf der Überholspur Richtung Wissensgesellschaft vorankommt. Was aber ist die Wissensgesellschaft? Und was bedeutet sie für jeden von uns? Viele reden davon, die wenigsten aber wissen wirklich, was sie eigentlich meinen.

Wissensgesellschaft heißt:

Neue Aufgaben - Abschied von altem Denken

Neue Berufsbilder - Zu Lasten von zünftischen und industriellen Traditionen

Neue Gewinner - Auch mit kleinen Betrieben

Neue soziale Aufsteiger - Auch ohne formale Berufsabschlüsse

Neue Verlierer - Auch in bisher "sicheren" Berufen und großen Konzernen

Neue Umgangsformen - Abflachen der Hierarchien in Betrieben, Behörden, Unis etc.

Kurzum: Unser Weg in die Wissensgesellschaft wird unser Land genauso grundlegend verändern wie Industrielle Revolution und Gründerzeit. Das macht vielen Menschen Angst, nur allzu verständlich. Aber gerade für die junge Generation gilt: Wer sich versteckt, wer sich dem Wechsel und der Herausforderung nicht stellt, der wird in Schwierigkeiten kommen. Aufgabe der Politik ist es, ehrlich zu sagen, was uns erwartet. Dies tue ich - direkt und ohne Umschweife. Wie die Fakten der Wissensgesellschaft unsere Ausbildung, unsere Wirtschaft und Deutschlands Position im internationalen Wettbewerb beeinflussen, können Sie hier lesen.

Fakten zur Wissensgesellschaft:

Alle 5-7 Jahre verdoppelt sich das verfügbare Wissen

Jeden Tag erscheinen mehr als 20.000 wissenschaftliche Publikationen

Derzeit arbeiten soviel Wissenschaftler auf der Welt wie alle Wissenschaftler in den letzten 2000 Jahren zusammengenommen

Wissen ist unbegrenzt, die Wachstumskurve des Wissens erscheint unendlich

Das neue Wissen wird heute nicht mehr von oben nach unten vermittelt, sondern es wächst ganz natürlich in Netzen: Immer neue Knotenpunkte des Wissens bilden sich heraus, alte Knoten werden verstärkt oder aber aufgelöst, wenn sie nicht mehr tragen. Das Netz der Netze ist das Internet: Weltweit gibt es inzwischen über 100 Millionen Internet-Nutzer; jeden Monat kommen weitere 15 % hinzu. Das Wachstum des Wissens und das Wachstum der Netze gehören zusammen.

Treibende Kraft dieser Entwicklung sind die modernen Informations- und Kommunikationstechnologien. Kurzfristiges Reagieren auf Marktentwicklungen und neue Bedürfnisse ist inzwischen überall auf der Welt technisch nahezu problemlos möglich. Dies hat zur Folge, dass im Wettbewerb heute weniger die Großen die Kleinen, dafür aber die Schnellen die Langsamen schlagen. Hier liegen neue Chancen, die wir nutzen müssen!

Ausbildung, Wissen und Innovationsfähigkeit - Standortvorteile der Zukunft.

Das bisherige System der internationalen Arbeitsteilung verändert sich dramatisch. Wissen ist nicht nur zum entscheidenden Produktionsfaktor geworden, sondern auch zu einem nachgefragten Produkt, das Wettbewerbsfähigkeit sichert und Einkommen schafft.

Die auf Wissen gründenden Industrien und Dienstleistungen weisen die größten Wachstumsraten und die größten Beschäftigungseffekte auf. In Kürze arbeiten mehr Menschen in der Wissensindustrie als im Automobilbau! Das ist auch der Grund für die "Green Card" - Initiative des Bundeskanzlers, die ich bei aller berechtigten Kritik im Detail ausdrücklich begrüße. Die Leistungskraft einer Volkswirtschaft hängt von Umfang, Qualität und Aktualität des zur Verfügung stehenden Wissens ab - wer Wissen nach Deutschland bringt, ist uns hochwillkommen. Allerdings ist die bisherige rot-grüne Halbherzigkeit noch keine Politik für die Zukunft. Solange sich Gewerkschaftsfunktionäre im Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit ständig neue Schikanen ausdenken, um Interessenten die Arbeitsaufnahme in Deutschland zu erschweren, solange wird unser Land hinter den Anforderungen der Wissensgesellschaft zurückbleiben.

Neue Berufe zur Herstellung von wirtschaftlich verwertbaren Wissen.

Wir alle wissen, dass wir auf mehr als vierzig Kanälen fernsehen können, im Internet fast jede Information zu bekommen ist und die Flut der Zeitschriftentitel in einer wissenBahnhofsbuchhandlung völlig unübersehbar geworden ist. Wir leben also schon in der Informationsgesellschaft - aber das reicht nicht. Nackte Informationen sind wertlos. Sie müssen ausgewählt, gebündelt und aufbereitet werden, damit sich aus ihnen ein konkreter - auch wirtschaftlicher - Nutzen für die Menschen ergibt. Genau hier werden neue Berufe entstehen, mit neuen Chancen für Wachstum und Wohlstand. Die eben beschriebenen Tätigkeiten -auswählen, bündeln, aufbereiten von Informationen - zum Beispiel könnte man als Berufsbild "Wissensnavigator" bezeichnen, der seinen Kunden wie ein Lotse Richtung Wissen führt.

Aber es gibt noch weitere denkbare Berufe: Informationsagenten übernehmen die Aufgabe, sicherzustellen, dass die richtige Art von Information zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu minimalen Kosten bereitgestellt wird. Informationsvernichter befassen sich mit der Eliminierung von alten oder überflüssigen Daten. Zu diesem Kreis zählen auch Datenschutzexperten, die Lösungen zur Geheimhaltung von persönlichen Informationen anbieten. Informationsdesigner machen das Wissen zum Gegenstand der Gestaltung und verkürzen dadurch die Zeit, die der Einzelne zur Aufnahme braucht - nach dem alten Motto "Ein Bild sagt mehr als tausend Worte".

Es werden nicht nur neue Berufe entstehen, auch die Arbeitsprozesse in bestehenden Berufsbildern werden sich verändern und damit auch die Qualifikationsanforderungen an Auszubildende, Berufsanfänger und Berufstätige. Niemand wird künftig mit einer umfassenden Erstausbildung einen Beruf ausüben können: laufende Veränderungen erfordern lebenslanges Lernen, um die Berufsfähigkeit zu erhalten.

Die Veränderungsgeschwindigkeit der Märkte ist so schnell geworden, dass Erfahrung immer weniger Wert beigemessen wird. Was zählt ist vielmehr, sich schnell auf neue Umstände einstellen zu können. Ob die Vernachlässigung von Erfahrung der Gesellschaft letztlich zum Vorteil gereicht, darf mit Fug und Recht bezweifelt werden - auch hier müssen wir neue Ideen entwickeln, wie die Erfahrung besonders der Älteren in der Wissensgesellschaft erfolgreich genutzt werden kann.

Was bedeuten diese Fakten der Wissensgesellschaft für Deutschland?

Für uns in Deutschland kann die Entwicklung zur Wissensgesellschaft geradezu zum Glücksfall werden. Im internationalen Vergleich haben wir eine der am besten ausgebildeten Bevölkerungen. Wir verfügen über eine ausgezeichnete Infrastruktur in den Bereichen Telekommunikation und Informationstechnologien mit einem großen Wissensreservoir. Gleichwohl werden noch viele Chancen vertan, weil die Entwicklung hin zu einer neuen Gesellschaftsordnung von Ängsten begleitet wird. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass viele technologische Innovationen durch Produktivitätsgewinne Arbeitsplätze wegrationalisieren. Andererseits entstehen aber über Innovationen neue Produkte und erschließen sich neue Märkte, was wiederum neue Beschäftigung schafft. Darüber hinaus werden in Deutschland 1,2 Millionen Arbeitsplätze erhalten bleiben, die ohne Technologieeinsatz verloren gingen.

Und wir brauchen eine neue Politik. Denn während Informationen im Zeitalter des Internets mobil sind, werden die Stätten der Kreativität auch in Zukunft nicht so leicht zu verpflanzen sein, genauso wenig wie die klugen Köpfe. Den "Wissensingenieuren" muss das richtige Umfeld geboten werden, ein kreatives Klima, gespeist aus einem Bildungssystem, das auch im internationalen Maßstab besteht. Wir brauchen eine Reform des Bildungssystems, die den Strukturen der neuen Wissensgesellschaft Rechnung trägt - auch wenn das den Abschied von manch altem Zopf bedeutet, an den sich die Besitzstandswahrer und eine viel zu zögerliche Bundesbildungsministerin noch klammern. Und wir brauchen eine Wirtschaftsordnung, in der aus Wissen und Ideen Unternehmen und Arbeitsplätze entstehen können - schnell, unbürokratisch und wettbewerbsfähig. Mehr Regeln für Mitbestimmung bringen uns nicht weiter. Was wir brauchen, ist mehr Selbstbestimmung, um die kreativen Potenziale von möglichst Vielen zu erschließen. Nur so kann Deutschland erste Wahl als Zukunftsstandort in der Wissensgesellschaft werden - und dafür werde ich mich einsetzen!

 


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